August 1904

Am ersten August 1904 fanden sich 21 junge, sportbegeisterte Männer (von Emanzipation war damals noch nicht die Rede), um den heutigen Verein zu gründen. Es waren:

Martin Ayd, Emil Elsinger, Oswald Frank, August Reiling, Rudolf Reiling, Friedrich Schuster, Wilhelm Vögele, Alexander Brenk, Thomas Elsinger, Anton Dindel, Johann Reiling, Adolf Schuster, Eugen Winteroll, Gustav Vögele, Franz Brenk, Josef Flohr, Wilhelm Hölzle, Leonhard Reiling, Franz Schuster, Isidor Vögele und Anton Wolf.

Isidor Vögele wurde in der erster Versammlung zum ersten Vorsitzenden gewählt. Bis zum Ersten Weltkrieg bestanden die Aktivitäten in der Pflege der Gemeinschaft und der Kontakte zu befreundeten Vereinen.


Isidor Vögele wurde in der erster Versammlung zum ersten Vorsitzenden gewählt. Bis zum Ersten Weltkrieg bestanden die Aktivitäten in der Pflege der Gemeinschaft und der Kontakte zu befreundeten Vereinen.


1923

Da während der Kriegszeit jegliches Vereinleben zwangsläufig erloschen war, setzte nach der Inflation von 1923 eine stetige Aufwärtsentwicklung ein. 1924 wurden unter großen persönlichen Opfer sechs Saalräder angeschafft, zum Preis von 200,- DM Pro Stück, (zum vergleich ; ein Stundenlohn von einem Maurer betrug etwa 60 Pfennige, ein Juwelenarbeiter hatte 72 Pfennige). Nachdem man jahrelang versucht hatte auf Tourenräder Kunstrad zu fahren, war man jetzt in der Lage, diese Sparte offiziell und zielstrebig auszuüben. Somit war auch die Möglichkeit geschaffen, an Wettbewerben teilzunehmen. Noch im selben Jahr wurde ein größeres Fest mit Bahnweihe durchgeführt. Ältere Mitglieder erinnern sich noch an eine Ausfahrt und Festteilnahme im Jahr 1925 in Schwenningen und an einem Preis, den die jungen Riege der Ersinger Kunstradfahrer gewannen.

1929

Ein neuer Tiefschlag für jedes Vereinsleben war die Weltwirtschaftskrise von 1929 und die damit verbundene Arbeitslosigkeit. Nachdem die Notverordnungen des Reichskanzlers keinen schnellen wirtschaftlichen und finanziellen Erfolg erbracht hatte, wurde wie in jeder Krisenzeit, die links- und rechtsextremen Parteien Stark. Nur so kann man sich heute erklären, dass Hitler legal an die Macht kam. Diese Macht wurde rücksichtslos auch gegen Vereinen ausgeübt, die auf demokratisch- gewerkschaftlichen Grundideen aufgebaut waren. So erschien im Spätjahr 1933 zwei Polizisten und ein Parteifunktionär der NSDAP mit einem LKW vor dem Ersinger Rathaus. Sie ließen den Vorstand des Radvereines holen und teilten ihm mit, dass der Verein "vorläufig" aufgelöst sei. Alle Saalräder wurden beschlagnahmt, die Gesamten Vereinsunterlagen, Protokollbücher und Fahnen mussten abgegeben werden und wurden später auf dem Markplatz in einer Schau - öffentlich verbrannt. Nicht viel anders als mit dem Radverein verfuhr man zum Beispiel mit dem Naturfreundeverein, der DJK und den Arbeitersportverein des Bezirks.

1935

Zweifellos den Höhepunkt seiner motorsportlichen Laufbahn erlebte Egon Brenk als er 1935 Deutscher Meister im Geschicklichkeitsfahren wurde. Hier der Zeitungsbericht:

Abendunterhaltung des Radfahrvereins "Bahn Frei" veranstaltete in der Turnhalle. Vorstand Ernst Elsinger konnte einige Gründer und als Prominentesten Gast Landessportleiter des Gaues Baden - Pfalz, Theo Körner aus Mannheim begrüßen, Nach dem Eröffnungsmarsch durch den hiesigen Handharmonikaspielring folgte der Radsportliche teil des Abends.


Nach dem Radreigen der Weiblichen , Männlichen und Gemischten Jugend folgte ein Lichterreigen der Damen. Eine Steigerung in Leistung und Beifall verzeichnete der Einradreigen und Steuerrohrreigen der Männer, und die sportliche Höchstleistung bot Kunstradfahrer Egon Brenk mit seinem Schützling Horst Voelsack. Diese akrobatische Kleinstücke des deutschen Meister im Geschicklichkeitsfahren ließen eine Woge der Begeisterung überschlagen. Im humorischen Abschluss des Sportleiters brachten zwei Clowns auf Einräder die Lachmuskel in Schwung. Im Mittelpunkt des Abends stand die Ehrung von Egon Brenk, der am 31 Juli dieses Jahres in Augsburg bei der Austragung der deutschen Meisterschaften im Motorsport im Geschicklichkeitsfahren deutscher Meister werden konnte. Landessportleiter Theo Körner nahm die Siegerehrung vor. Im Unterhaltenden Teil wurde von der Laienspielgruppe des Vereins das weihnachtliche Volksstück ein Aufzügen "Der Moosgruber" aufgeführt. Der Spielgruppe gehört ein Gesamtlob. Ein Weihnachtspotpourri des Handharmonikaspielrings verschönerte die Vorweihnachtliche Stimmung der großen Radfahrfamilie.

1956

Eine Besonderheit des Jahres 1956 war eine Bilder- Suchfahrt zu Ehren und zum Gedächtnis von Isidor Vögele, an der neben Radfahrer auch Moped und Motorradfahrer teilnahmen. Im Juli 1957 gab es wieder ein Ersinger Radsportfest mit einem vielseitigen Programm. Neu war ein Motorrad- Geschicklichkeitsfahren bei der Turnhalle.

1962

Das nächste Radsportfest fand erst wieder 1962 statt, wobei erstmals den Ersinger Zuschauer ein Radballspiel vorgeführt wurde durch Mannschaften aus Pforzheim. Um den Sportbetrieb erweitern zu können, wurde 1963 beschlossen eine Rad- und Rollschuhbahn zu bauen, die dann ende August mit einem Festakt der Jugend übergeben werden konnte. Sogleich meldeten sich eine ganze Anzahl von Interessierten . 1963 war der beginn zweier überaus erfolgreicher Kunstradfahrer in unserer Vereinsgeschichte. Peter Hanoek und Willi Reich holten sich mehrfach Bezirks und Landesmeisterschaften im Einzel und Zweier Kunstradfahren. Die größten Erfolge waren jedoch die Bronzene-, Silberne-, und Goldmedallie bei den Deutschen Meisterschaften in Oldenburg, Göppingen und Straubig.

1964

Im August 1964 wurde das 60 - jährige Bestehen des Vereines mit einem Radsportfest gefeiert, bei dem Peter Hanosek und Willi Reich mit besonderen Leistungen im Kunstradfahren auf sich aufmerksam machten, die den folgenden Jahren zu beachtlichen Erfolgen führten. Nach zweijährigen intensiven Training gelang es 1965 Hubert Reiling, den Titel eines Deutschenmeisters im Rollschuhlauf, im zweier und im vierer Gruppenfahren und im Kunstreigen. Welche Aufwärtsentwicklung der Rollschuhsport genommen hatte wurde beim Vereinsportfest deutlich: neben zehn Radgruppen waren sechs Rollschuhgruppen am Start. Im Mai 1967 gelang es der Vereinsverwaltung, die Rollschuhsportmeisterschaften nach Ersingen zu verlegen wobei allein sieben Titel an unsere Sportler gingen. Im Verlauf dieses Turniers wurde der Ersinger Bevölkerung zum Ersten mal ein Rad- Polo- Spiel einer Pforzheimer Mannschaft gezeigt. Im Juli waren bei den Landesmeisterschaften in Viernheim, im einer Reigen wieder Erfolge zu Verzeichnen: so belegten unsere Teilnehmer im Viererreigen U. Geiges, G. Geiges, S. Jost und U. Müller den Ersten Platz, ebenso im Einer Kunstfahren der Schüler Heinz Frei und bei den Schülerinnen Elfi Erhardt. Im Rollschuh - Paarlauf der Jugend siegten Marlies Pathe und Reiling, der sich auch den Titel im Einzellauf holte. Im selben Jahr gelang es Huber Reiling bei der Deutschen Rollschuhmeisterschaft den Zweiten Platz zu erringen. Bei der Generalversammlung des Jahres 1967 wurde der bisher höchste Mitgliederstand mit 250 angegeben.

1973

1973 errangen zwei Ersinger Radballmannschaften die ersten Plätze bei den Landesmeisterschaften, und von der anschließenden Saison an spielten die gebrüder Steinwarz sogar in der Radball - Bundesliga. So hatte auch die erste vor wenigen Jahren eingeführte Sportart in unserem Verein erfolgreiche Vertreter gefunden. Es ist kein Anfall von Nostalgie, wenn ein Rückblick auf fast 100 Jahre Vereinsgeschehen mit einem Gewissen Stolz erfüllt. Wenn auch die Mitgliederzahl seid zehn Jahren Stagniert, so ist das kein Grund zur ernsthaften Besorgnis. Jeder ähnliche Verein hat es heute schwer, sich die Jugend zu erobern. Gerade in der Zeit, in der es statt Idealen nur Idole gibt, muss es die Aufgabe aller Verantwortlichen sein , durch eine geeignete Selbstdarstellung und ein Zeitgemäßes Freizeitangebot zu zeigen welche Alternativen es bei unserem Verein gibt.

75-järiges Jubiläum 1979

Mit einem Festbankett und einem anschließenden ausgiebig genutzten Tanzvergnügen wurden die Festtage eingeleitet. Für die besondere Stimmung sorgte die unvergessene Tanzkapelle „1a“ des Musikvereins. Ein international besetztes Radballtunier und eine Kunstschaufahren waren weitere Höhepunkte des Festprogramms, das am Montag nach einem Kindernachmittag mit einem großem Bunten Abend unter Mitwirkung der Ersinger Verein ausklang.

1981     1. Volksradfahren

1981 wurde vom RMSV zum ersten Mal ein Volksradfahren durchgeführt und hatte einen großartigen Erfolg:  205 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Vereinen und Privatgruppen wurden gezählt.

 

1986 Ländervergleichskampf

Beim Vorkampf in Heilbronn belegten die Ersinger Radballspieler Ralf Scheier und Hubert Harr bei der Jugend den 2. Platz und beim Rückkampf in Prag den 1. Platz. Beim AH-Tunier in Libarec 1989 wurden Heinz Schäfer (Gö) mit seinem Partner 1. Internationaler Tschechischer Meister. Emil Harr und sein Partner belegten den 2. Platz.

Aufstieg in die Radball Oberliga

1994 gelang es erstmals, in die Radball-Oberliga aufzusteigen. Dieser Platz im ersten Drittel der Tabelle kann seitdem behauptet werden. Im Jahr 2000 nahm die Mannschaft Ersingen 1 an den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga teil, scheiterte aber leider in der zweiten Qualifikationsrunde. Dies wiederholte sich im Spieljahr 2002/2003 leider erneut.


Quellenangabe: Vielsack, Dieter: 100 Jahre RMSV-Ersingen e.V.. 1. Auflage. Verlagsort: Kämpfelbach-Bilfingen. Langer Werbeteam 2004.